Denkmal

Bereits 2012, auf einer Fahrt nach Spillendorf, fiel mir im Straßengraben vor dem ehemaligen Hof meiner Großeltern ein Teil eines verfallenen Denkmals auf.

 

Schemenhaft konnte man auf einem Seitenflügeln den folgenden Spruch lesen:

  

Du warst die Sonne einst am Heimatsherde,

 das Du nicht kommst ertragen wir so schwer.

 Du starbst im Feld und ruhst in fremder Erde,

 der Eltern Tränen wecken Dich nicht mehr.

  

Dein Herz steht still – doch unsere Herzen schlagen!

 In heißer Liebe wir dies Kreuz Dir weihn.

 Du sollst sind wir auch lang zur Ruh getragen

 im Vaterhause nicht vergessen sein.

  

1920 gaben meine Urgroßeltern Alois & Marie Seidel einen Altar in Auftrag,

um an ihren Sohn erinnern, der auf der Majdanhöhe gefallenen ist und nicht mehr heimgekehrte.

Wieder in Deutschland angekommen begann ich mit der Recherche und fand zwischen einem Stapel alter Dokumente dieses einzige Foto.

2019 kehrten wir zurück. Dabei war mein Onkel Günter Seidel – aus der Erlebnisgeneration.

Die Gemeinde Oborná ermöglichte uns mit ihrer Hilfe, das Denkmal wieder aufzustellen.

Was mag meinem Onkel durch den Kopf gegangen sein?

So viele Jahre sind vergangen, und niemand hätte je gedacht, dass wir eines Tages dieses Denkmal wieder errichten würden.

Ich war stolz auf Onkel Günter, dass er sich trotz seines hohen Alters und der schrecklichen Erinnerungen an die Vertreibung noch einmal auf den Weg in seine alte Heimat gemacht hat – gemeinsam mit uns.

... gelebte Erinnerungskultur!